Bildergeschichten – Trauer in Kunst verwandeln
An dieser Stelle findest du Beispiele meiner Arbeit. Sie sollen dir helfen, dir eine Vorstellung von meinem Stil und meiner Art zu arbeiten zu machen. Jedes Bild entsteht aus einer einzigartigen, persönlichen Begegnung und reflektiert die Geschichte des jeweiligen Verlusts.
Trauer ist so vielfältig wie die Menschen, die sie erfahren. Sie kann sich auf unterschiedliche Arten zeigen – sei es der Verlust eines geliebten Haustiers, der Abschied von Eltern oder Geschwistern, die Trauer um Sternenkinder oder auch der Verlust anderer bedeutender Menschen im Leben. Jede Form der Trauer ist einzigartig und braucht Raum, um in ihrer ganzen Tiefe und Vielfalt anerkannt zu werden.
In meiner Arbeit entstehen Bilder, die diese tiefen, oft schwer greifbaren Emotionen sichtbar machen und den Wert der gemeinsam erlebten Zeit würdigen. Diese Bilder sind ein Spiegel des Trauerprozesses und können helfen, das Unsichtbare auszudrücken und das Wertvolle, das bleibt, zu bewahren.
Die Veröffentlichung dieser Bilder erfolgt mit ausdrücklicher Zustimmung der jeweiligen Kundinnen und Kunden.
Michael
Das Bild, welches du hier siehst, ist das letzte einer ganzen Bilderserie. Meine Kundin trauerte um ihren Bruder Michael. Es handelt sich hier also um familiäre Trauer und um genau zu sein um Geschwistertrauer. Michael war ein Zufluchtsort und Ruhepol für meine Kundin und galt als gute Seele der Familie, der sich gerne um die Gefühle der anderen kümmerte. Seine Schwester beschrieb ihn als einen Menschen der Kontinuität und von gesunder Bescheidenheit. Seine Lieblingsfarben: Moosgrün und Sand. Moosgrün – eine sanfte, beruhigende Farbe, die sich harmonisch in ein System einfügt.
Doch wie weitermachen, wenn eben dieser Platz im eigenen System nun leer erscheint? Der Verlust ihres Bruders stellte besondere Herausforderungen für den weiteren Lebensweg meiner Kundin dar.
Bernarda y Lola
Eine transgenerative Familienbildgeschichte
Die Frau auf diesem Bild heißt Bernarda, und es entstand zur Geburt ihrer Urenkelin Lola. Bernardas Familie besitzt ein kleines, altes Schwarz-Weiß-Bild, auf dem sie in jungen Jahren zu sehen ist.
Es heißt, dass sie eine gläubige und sehr warmherzige Frau mit viel Disziplin und innerer Gerechtigkeit war. Ihre Tochter, welche in der Mitte von zwölf Kindern geboren wurde, erzählte, dass zu jeder Zeit alle mit tiefem Respekt über sie sprechen. Sie erzählte auch, dass Bernarda jedem ihrer zwölf Kinder, ob Mädchen oder Junge, das Lesen, Schreiben und Rechnen beibrachte. Das tat sie neben der Hausarbeit, welche zur damaligen Zeit ihre Aufgabe war.
Bernd ist bunt
Bernd war ein außergewöhnlich warmherziger Mensch, der durch seine unkomplizierte Art und seinen Humor Menschen zusammenbrachte – und das, obwohl seine Vergangenheit alles andere als einfach war. Sein Tod war für viele ein großer Einschnitt, vor allem aber für seine Frau. Es war eine späte Liebe, und beide brachten bereits viel Lebensgeschichte mit sich.
Das Leben mit Bernd war bunt. Es gab unzählige gemeinsame Momente des Lachens, aber auch tiefgehende Gespräche. Künstlerisch übersetzt umfasste ihr gemeinsames Leben alle Farbtöne – die leichten, unbeschwerten Pastelltöne, die leuchtenden, hellen Farben und die tiefen, gesättigten Nuancen.
Nach Bernds Tod wurde jeder Tag für seine Frau zur Herausforderung. In unserer gemeinsamen Arbeit fanden all diese Gefühle ihren Ausdruck: die Wertschätzung für die gemeinsame Zeit, das Lachen über witzige Momente und Geschichten, das stille Nicken über die tiefe Verbundenheit – ebenso wie der Schmerz, den der Verlust hinterlassen hat.
Dieses Bild ist für die Momente, in denen die Erinnerungen an all die leuchtenden und tiefen Augenblicke der Verbundenheit in den Vordergrund rücken. Es strahlt das warmherzige, kraftvolle und doch sanfte Wesen dieses besonderen Mannes aus.
Herzenskind
Die Trauer um das eigene Kind – sei es vor oder nach der Geburt verstorben – ist die wohl tiefste und herausforderndste Form des Abschieds. Mit dem Tod des eigenen Kindes stirbt auch ein Teil der eigenen Zukunft, der Hoffnungen und Träume. Der Weg zurück ins Hier und Jetzt und das Finden einer neuen Perspektive kann besonders schwer sein.
Mit viel Zeit kann die Kunst hier zu einer stillen Begleiterin werden – sanft und geduldig, ohne Druck. Sie hört zu, hält fest und bringt das Einzigartige der gemeinsamen Zeit behutsam zurück. Nicht, um in der Vergangenheit zu verweilen, sondern um sie mit ins Morgen zu nehmen.
„Er war ein Frühchen, nur vier Pfund – aber immer ein Herzenskind.“
Christiane
Manchmal besteht meine Arbeit einfach nur darin, mich mit meiner Kundin oder meinem Kunden gemeinsam hinzusetzen und aus einer Unmenge an Erinnerungsbildern ein Bild herauszusuchen, welches für die Ansprache verwendet wird und auf die Karten gedruckt wird. Das ist ein wichtiger Schritt, denn ein passendes Bild beim „offiziellen“ Abschiednehmen kann eine große Wirkung haben.
Christianes Mutter und ich saßen lange zusammen, um das passende Bild zu finden – eines, das ihre Tochter als den klugen, humorvoll-schlagfertigen und abenteuerlichen Menschen darstellt, der sie war. Für das Bild kombinierte ich die Fotografie mit einer eigenen Zeichnung und gestaltete die Karten sowie ein großes gerahmtes Bild inklusive Blumenschmuck für den Tag des Abschieds in der Gemeinde.
Ihre Mutter und ich tauschen bis heute Geschichten über Christiane aus, und immer wieder tauchen neue Bilder auf. Ich nehme mir für jedes Bild Zeit.
Es ist legitim, wenn Eltern die Bilder und Gegenstände ihres verstorbenen Kindes sortieren und nur einiges behalten wollen oder eben können. Eine Person, die jedes einzelne Bild noch einmal in die Hand nimmt und wertschätzt, kann die vielen kleinen Abschiede des Aussortierens oft einfacher machen.
Ela Kranich
Nicht jede hinterbliebene Person hat die finanziellen Mittel, einen geliebten Menschen klassisch durch einen Bestatter oder eine Bestatterin beerdigen zu lassen. In solchen Fällen übernimmt die Stadt die Kosten – doch das bedeutet oft, dass die Angehörigen nicht an der Bestattung teilnehmen können. Sie erhalten lediglich eine Information darüber, wo die Person bestattet wird, jedoch nicht wann.
Auch Elas Familie entschied sich aus finanziellen Gründen für eine Sozialbestattung. Bedeutet das, dass es keinen Raum für Abschied gibt? Nein. Jeder Mensch trauert anders, und es gibt viele Wege, sich zu verabschieden. Ela Kranich wurde von ihrer Familie auf eine ganz eigene, persönliche Weise verabschiedet…